Hengstberger Preis Preisträgerin 2025
Generative KI als komplexes gesellschaftliches Phänomen
Seit der Veröffentlichung von OpenAIs "ChatGPT" im November 2022 ist generative KI im Alltagsdiskurs ubiquitär geworden. Die Chancen, so versprechen es Befürworter, überwiegen die Herausforderungen, die wiederum vor allem Optimierungspotenzial bieten.
Gleichzeitig gibt es zahlreiche Studien die zeigen, dass die großen Versprechen generativer KI bislang nicht eingelöst wurden. Woher kommt angesichts dieser ernüchternden realen Effekte die anhaltende Popularität generativer KI? Die grundlegende These dieses Symposiums ist, dass es sich dabei um ein kulturelles Phänomen handelt, das aus geisteswissenschaftlicher Perspektive analysiert werden muss. Hierfür werden Perspektiven aus Literatur- und Kulturwissenschaft, Technikphilosophie und -geschichte, Religionswissenschaften, Kunstgeschichte, Bildungswissenschaften und Ethik zusammengebracht.

Das Symposium wird sich den Wurzeln aktueller Diskurse durch die KI-Geschichte widmen, sowie durch solche Science Fiction Erzählungen, die unsere Hoffnungen und Ängste, die mit KI in Verbindung stehen, seit Jahrzehnten ausdrücken und prägen -- und die als Narrative Teil der KI-Faszination bleiben. Welche Qualitäten werden der KI zugeschrieben? Inwieweit sind diese religiös oder anderweitig spirituell, und welche Funktion nimmt das im kulturellen Diskurs und im Selbstbild des Menschen ein? Wie wird andernorts die Maschine vermenschlicht, und welche Auswirkungen hat das auf das Vertrauen in maschinell generierte Aussagen?
Ziel des Symposiums ist es, sich dem kulturellen Phänomen als solches zu nähern, und die verschiedenen Motivationen, treibenden Faktoren, und Effekte aus dieser Perspektive zu greifen. Abschließend werden wir uns mit den Ergebnissen dieser Diskussionen ganz konkreten Feldern zuwenden und ausleuchten, welche Effekte generative KI in Bereichen wie schulischer und universitärer Bildung haben kann -- und was uns das über diese Systeme sagt. Generative KI ist zu einem komplexen gesellschaftlichen Phänomen geworden, für das eine interdisziplinäre Herangehensweise besonders vielversprechend ist.
Dr. Annika Elstermann
Anglistisches Seminar
Kettengasse 12
69117 Heidelberg
annika.elstermann@as.uni-heidelberg.de
Veranstaltungstermin: 03.06. - 04.06.2026